Hochglanz und Personal Travelling

Immer unterwegs, immer die Augen offen: Was kann ich lernen von der Welt? Bin in Wolfsburg am Bahnhof. Schön, modern und praxisnah. Es ist 21 Uhr 12, Samstag und ich warte auf den ICE nach Berlin. Viele Schaufenster im Bahnhof. Die Halle ist quasi umbaut von Service für mich. Ganz groß: Das Reisezentrum. Ab 20 Uhr geschlossen. Schade! Daneben eine Wellness-Lounge. Samstags nicht offen, aber sehr verlockend. Gegenüber der M-Punkt. Das ist meine Mobilitätszentrale, wo ich, jetzt nicht, aber wochentags fast immer, Autos mieten kann, so viel ich möchte. Zur Straße hin: World Press. Im Moment ohne Pächter. An der Ausgangstür der Touch&Travel-Punkt, an den ich mein Handy halten könnte, wenn ich einen NFC-Chip besäße und hier aussteigen wollte, was ich aber nicht vorhabe. Und neben der Tür, links und rechts zwei kleine Ständer mit Faltblättern. Es sind Infopoints mit Flyern, aber sie sehen aus wie Ständer mit Faltblättern.

Man sorgt für mich. Das ist gut zu wissen. Früher waren Leute auf dem Bahnhof, ein Schaffner und ein Schalterbeamter, eine Kioskbetreiberin und ein Imbissbudenbesitzer. Da war jeder so für sich, kam vielleicht ganz zufällig ins Gespräch, etwa bei Hunger, Lust auf eine Zeitung oder Fahrkarten- und Auskunftsbedarf. Heute ist alles für mich ganz allein da. Ich bin auch ganz allein und alles ist geschlossen, aber die Versicherung, dass die Erlebnisstadt auch am Bahnhof ein ganz persönliches „Erleben-Erfahren-Erinnern“ anbietet, wärmt doch ein bisschen.

Zeit beim Umsteigen, Zeit zum Nachdenken. Ob die Schule auch schon an der „verlässlichen Dienstleistungsqualität“ arbeitet, die für die Einrichtung von Mobilitätszentren Standard ist? Ich stelle mir die Infoleitstelle vor, an der die kommenden learning kids ihren täglichen Serviceplan ausdrucken können. Erst die PISS (personal identity school- and schedulecard) einschieben, und schon darfst du an PC 328 für zwei Stunden online, Chiffres and Letters interaktiv spielen. Anschließend 15 Minuten im Fresh-Air-Bereich. Er hält einige Workout-Units bereit, creative swing sets, power steps eine outdoor running line und andere refreshing tools.

Dann zwei Stunden Optional Arts. Falls Plätze frei sind, bisschen Laserdesign an der Schulhofsmauer. Jeder darf seine Schule für bis zu 120 Minuten im Jahr so anbeamen, wie er schon immer wollte. Oder aber Soundsystemcontrolling im Digitalstudio. Die Rechner sind in kleinen schallisolierten Kammern und geben per Zentraldatenabfrage alle Sounds, Rhythms und Musical Signs für fünf Minuten wieder, die im QUARC (Qualified Archive of Roaring Cultures) vorgehalten werden. Kleine Rechenoperationen geben Raum für interaktive Variationen, die in Echtzeit vom Rechner als S oder N, Sense oder Nonsense, bewertet werden...

Oh, mein ICE kommt, verspätet, aber er kommt, auf richtigen Rädern, die Achsen gehören zur frisch geprüften sicheren Art. Er nimmt mich mit, heraus aus der Autostadt mit ihrem schönen Glasbahnhof, der mich fast in eine schwindelnde Zukunft entführt hätte. Morgen früh warten meine Schüler auf mich.