Sommeranfang
Habe neulich den schönsten Wetterbericht des bisherigen Jahres gehört: „Morgen tagsüber sonnig, manchmal aber auch nicht. Eher Regen zeitweise, aber nicht überall. Gegen Mittag Aufklarung mit einzelnen Schauern, anschließend durchwachsen außer im südlichen Bereich.“
Ja, das kenne ich, dachte ich. Gute Laune in der Familie außer speziell morgens, da aber mit streckenweise freundlichen Abschnitten. Im Straßenverkehr Hektik hoch drei, außer an der roten Ampel, die immer noch zu lang gephast ist. Wird aber. Die Baustelle ist ja schon zwei Monate weg – abgesehen von dem Fahrstreifen, den sie gerade wieder aufreißen. Schön!
Morgens in der Schule alles paletti. Na Gott sei Dank. OK die Vertretungsstunde müsste nicht sein, dafür kommt endlich die Gehaltsabrechnung vom vorletzten Monat. Den Abzug in der Nachberechnung versteht keiner. Aber gut: Jeder versteht, dass die Personalkürzungen das Land vergleichbar mit irgendeinem anderen Land gemacht haben. Wenigstens teilweise vergleichbar. Sagt man.
Musikanlage kaputt. Schade, aber wiederum gut für die Gitarre. Lange nicht mehr gespielt. Geht auch mit fünf Saiten. Das ist, verglichen mit einer intakten Geige, 25 Prozent im Plus. Intakte Geige gibt’s natürlich nicht, aber die könnte ich auch gar nicht spielen. Wie gut, dass ich keine brauche.
Sechs Stunden phasenweise Unterricht. Meistens mehr Erziehungsarbeit. Regeln trainieren, Respekt üben, Redeweisen. „Geht doch!“ sagt man nicht zum sich abmühenden Lehrer, verstanden? Na geht doch. Und dann haben „wir“ sogar ein Lied gelernt, ja gut, eine Zeile des Refrains, nee nicht alle, aber da war eine Melodie an den vorderen Tischen zu erkennen, vor allem in Takt 3. Hat mir echt gut gefallen.
Was red ich da so für mich hin. Ach ja, glaube bin etwas aufgeregt. Auf der außerordentlichen Gesamtkonferenz nach der siebenten Stunde geht’s drum, dass Mathe mit Deutsch zusammengelegt werden soll. Da kennt sich nun auch keiner mehr aus. Könnte aber was für sich haben. Nach dem musisch-ästhetischen und dem naturwissenschaftlich-geohistorischen nun ein logisch-philologischer Bereich. Alles wird besser. Das Raten, wer wegen der eingesparten Stunden gehen muss, macht bisschen Stress. Andererseits haben wir doch schon Routine dabei. Alles wird besser und zwei müssen gehen. Mensch, ärgere dich nicht. Hast du immer noch gedacht, die Schule bekommt was, bleibt überschaubar, lebbar mit neuen Motivationen, Raum, Geld, Personal oder wenigstens mal einem neuen Staubsauger für die grassierenden Dreckecken?
Abends noch was essen, was korrigieren, was vorbereiten, was Zähne putzen, was einschlafen wollen. Ich frage mich, wie wohl morgen das Wetter wird.





