Fort und fort und fort: Gebildet?
Amadeus Gegenklang (Heft I/01)
Der Hundt hat gebellt, und alle liefen.
Die Presse zum Satzmeister: "Setze er uns mal, dass die Lehrer faul sind." Machte er vielfach. Die Politiker zum Schatzmeister: "Rechne er uns aus, wie viele Tage der ewigen Ferien als Pflichtfortbildung noch passen könnten." Und alle wurden zu Schwatzmeistern, die vergessen hatten, dass die ganze Hektik doch nur entstanden war, weil der Hundt gebellt hat.
Wer Zeitung liest, meint, dass außer manchem Hundtegebell und dem ebenso törichten Gerede des dabei recht schlechten Stihls nichts mehr verbreitet wird. Umso bögerlicher, dass auch auf Politikerseite gedummschwatzt wird, was das Zeug hält.
Wann informieren sich die Herren denn mal darüber, dass nicht nur der Arbeitskreis für Schulmusik, sondern viele Fachverbände ständig gut besuchte Fortbildungen an Nachmittagen, Abenden, Wochenenden und in Ferien anbieten ?
Das Gebell klingt so, als ob ein Feldwebel seiner auf Befehl stramm stehenden Schar vorwirft, sich nicht zu bewegen. "Hallo, Sie da,", möchte man rufen, "wir bewegen uns doch schon!" Aber hören die zu?
Die Presse presst größtenteils weiter süffisant Dummbatziges aus dem Spiel "Alle Lehrer sind Dödel". Bilden sie sich nicht fort, hat der Hundt recht und d i e Lehrer bleiben dumm.
Bilden sie sich fort, haben sie's anscheinend nötig und sind dumm. Ein Besuch des immer dämlicher spaßkulturellen Tagesprügels bei einer Computerfortbildung in den letzten Herbstferien wurde eifrig genutzt, um manche Unkenntnis feixend zu diffamieren.
Schön war da auch zu lesen, "wie sich Berliner Lehrer bemühen, langsam das informationstechnische Niveau ihrer Schüler zu erlangen." Da bellt einer schon fast hundtisch: verallgemeinernd, unwissend, antwortgeil, wenn schon keine Fragen mehr stattfinden.
Nur mal unter uns: Das informationstechnische Niveau unserer Schüler ist durchaus sehr unterschiedlich (wie auch das von uns Lehrerinnen und Lehrern). Noch viel unterschiedlicher sind aber auch die Auffassungen, was denn auf welchem informationstechnischen Niveau mit der Technik sinnvoller Weise zu tun wäre.
Mag sein, dass die Informationsgesellschaft vor allem dazu da ist, Information zu kaufen und zu verkaufen, online versteht sich. Aber die altmodische Vorstellung, dass Informationen auch einen Inhalt haben sollten, und dass der irgendwie für mein Leben wichtig sein müsste, bevor ich mir antue, Unmengen an Zeit, samt Augen- und Rückenbeschwerden zu investieren, die unterscheidet mich von denen, die ihren Gott bereits im Bildschirm gefunden haben. Ich bin deswegen nicht besser als andere, nur anders: Mich interessiert nicht die Anlage, sondern die Musik. Nicht die Taste, sondern der Ton. Nicht das Fort, sondern die Bildung, was immer das sei.
Fortbildung machen viele in ihrer Freizeit, weil ihr Lernen nicht aufhört, so lange sie leben. Wer ständig fordert, alle sollten mehr und mehr mit dieser oder jener Fortbildung ihre Lebenszeit bereichern, hätte eher wie eine gute Fee die Segnungen der angestrebten Inhalte zu preisen, als nur zu bellen und auf den Menschen herumzuhacken, die anscheinend die Rache der mächtig Gewordenen an früher erlittenem Schulfrust auf sich zu nehmen haben.
Nicht lustig: erbärmlich!
Und auch nicht sehr gebildet.





