Bankenkrisen privat
Amadeus Gegenklang (Heft II/01)
"Du, Peter!" "Ja, Schatz!" "Das Gehalt von Mai ist jetzt zwölf Tage überfällig." "Verstehe ich nicht. Ich hatte gestern die Bank angerufen und dort hat mir die Sachbearbeiterin gesagt, sie hätte leider nicht pünktlich überweisen können. Sie hätte Migräne! Aber heute wollte sie es ganz bestimmt buchen." "Heißt diese Frau Frau Hinrich?" "Ja, wieso?" "Diese Frau hat vorhin gemailt, dass es diesen Monat überhaupt nichts wird mit dem Gehalt. Es hätte aus Versehen schon jemand anderes bekommen." "Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ist ja die Höhe! Ich werde mich beim Personalchef beschweren." "Peter, das wird vielleicht nicht so lustig. Schließlich hatten wir doch unseren Sonderurlaub ohne Genehmigung trotzdem genommen, weil die Karten für Bayreuth doch so teuer waren. Und dann war noch diese Einladung beim Schulrat, wo du wegen dem Fußballspiel dann doch nicht hingegangen bist." "Aber hör mal, man kann doch nicht einfach ein Gehalt nicht zahlen. Das kannst du nicht vergleichen." "Also, bei Kollegin Fischer haben sie sogar vergessen die Altersermäßigung einzurechnen. Es hieß, im Amt hätte gerade keiner Lust, den Computer zu reparieren." "Unverschämtheit. Kann ja sein, dass wir auch manchmal knapp daneben liegen. Ich kann mich noch erinnern, wie die vom AfS sich früher aufgeregt haben, wenn wir uns angemeldet hatten und dann nicht gekommen sind. Die wollten einfach nicht kapieren, dass man gestresst ist oder schnell mal Konzertkarten bekommt oder zu Tante Frieda muss. Na ja, jetzt gibt‘s die ja nicht mehr. Angeblich mussten sie immer öfter Dozenten Ausfall wegen zu geringer Teilnahme trotz ausreichenden Anmeldungen bezahlen."
"Meinst du nicht, wir hätten doch ab und zu mal zur Fortbildung hingehen sollen, wenn wir schon mal angemeldet waren?" "Na so weit kommt‘s noch. Die können froh sein, dass man sich überhaupt anmeldet. Wir haben sie doch mit Anmeldungen quasi virtuell unterstützt und sie hatten ihre Zahlen zum Vorzeigen. Nee, nee, die konnten einfach nicht rechnen." "Aber ist doch blöd, wenn man nicht wenigstens absagt, damit die ihre Kurse auch wieder absagen können. Wäre wenigstens ehrlich und der Verein hätte mit weniger Kursen vernünftig weiterarbeiten können. Immerhin waren das noch welche, die ehrenamtlich für uns..." "Jetzt hör auf, Paula, das ist doch jetzt Schnee von gestern. Heute tut sowieso keiner mehr was für dich, wieso sollen wir da irgend jemandem Rechenschaft schuldig sein? Das Amt zahlt mein Gehalt an jemand anders, das ist ein wahres Problem. Nicht mal dem Staat kannst du mehr trauen. Und überhaupt trauen: Du hast gestern unseren Hochzeitstag vergessen, weil du stundenlang mit deiner Mutter telefonieren musstest und der Klempner ist auch nicht gekommen, angeblich weil sein Hund im Sterben liegt. Auf keinen kann man sich mehr verlassen und dann kommen die Kinder dauernd an und nörgeln rum, weil ich vor lauter Arbeit ständig vergesse, ihnen ihr Taschengeld zu geben, als ob sie nicht wüssten, wie stressig unser Job ist. Ja wo leben wir denn..."





