Ja ja, nein nein
Amadeus Gegenklang (Heft I/06)
Lange Sätze liest keiner. (Kleist im Unterricht? Zu komplex!) Lange Sätze versteht keiner. (Bedienungsanleitung für den Scanner? Kenn ich nicht. Scann ich nicht.) Lange Sätze hört keiner. (Mahler, 5. Sinfonie? Kam noch nie in Klassikradio, kann nicht gut sein.)
Gegenklang schreibt auch meistens zu langatmig. Heute nicht. Hat einen guten Tag erwischt. Insofern mal ne kurze Frage: Brauchen Sie Musikunterricht? Mal ganz ehrlich. Sie jetzt als Mensch. Wo doch mp3 heute jeder kann. Und ist nicht mehr teuer. Die Musikläden sind zwar alle runter. Aber den Rest kann jeder sich locker runterladen. Was brauchen wir sonst noch?
OK., wenn Sie jetzt mit der Bildung kommen. Also Bildung ist natürlich was eher Kompliziertes. Geht nicht im Vierwortsatz. Andererseits: Sind Sie erst mal gebildet, dann haben Sie entweder kein Geld dafür oder keine Zeit. Arbeitslos oder Vollstress. Macht beides keinen Spaß, wenn man vorher ordentlich in Bildung investiert hat.
Überhaupt: Wann haben Sie sich zuletzt getestet? Ohne Test keine Bildung. Sagen die Bildungspolitiker. Irgendwas werden Sie doch testen können. Zum Beispiel ob Sie bei einer Bahnfahrt von Hamburg nach Frankfurt über München müssen. Na? Wissen Sie nicht? Können Sie auch nur wissen, wenn Sie wissen, wo Hamburg, Frankfurt und München liegen. Und natürlich müssen Sie wissen, ob die Bahn die Strecken noch betreibt. Und ob das Bistro noch funktioniert und...
Na egal. Sie mögen ja eh lieber Musik. Und das ist schön. Demnächst ist der lästige Musikunterricht weg. Und dann können Sie Musik so richtig mögen. Keine Anfänger mehr, die sich für Dieter Bohlen persönlich halten. (Der Mann ist genial, finden Sie nicht? Betriebswirtschaft 1, Musik 0 und dann dieser Erfolg. Nur Mozart hat das andersrum geschafft: Musik echt klassisch, Betriebswirtschaft: Katastrofe. Aber: Erfolg! Ist immer noch in den Charts, der Mann.)
Ich hatte auch früher Musikunterricht. Hab ihn gehasst. Alle haben ihn gehasst. Durfte ja keiner sagen, dass man das bisschen Hölzchen Klopfen für Quatsch hielt. Heute darf man. Das ist Demokratie und Fortschritt. Ich sage: Quatsch, hört auf mit dem Hölzchen Klopfen! Und siehe da: Die Politik wird endlich vernünftig. Weg mit dem Ballast. Kostet Zeit, Geld und Nerven. Das Hören schulen: Dass ich nicht lache. Das Aufhören schulen, darum geht es.
Tja, die einfachen Botschaften. Die bringen uns weiter. Steht schon in der Bibel: „Deine Rede sei ja, ja und nein, nein.. Was darüber hinaus ist, ist von Übel.“ (Matthäus, 5/37). Also nicht so was wie: Für einen individualisierenden und gleichermaßen sozialisierenden Musikunterricht ist es notwendig, die materiellen, personellen und zeitlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, mit Hilfe derer ein im Fächerverbund des gesamten Schullebens vernetztes schulinternes Curriculum mit allen Beteiligten entwickelt werden kann, das der Musik als allgemeines Phänomen menschlichen Erlebens und Ausdrucks den ihr zustehenden Platz im Bildungsprozess der Schule sichert.
Kann man auch anders sagen? Fehlt noch das Wort ästhetisch? Haben wir da etwa das Kompensatorische im Fächerkanon vermisst? Nee. Sehen Sie: Machen wir’s uns doch nicht so schwer. Bisschen Singen ist o.k. und dann mal ran an die Hardware: Lesen, schreiben, rechnen. Schön regelmäßig durchtesten. Gute und schlechte sauber trennen – und weiterlernen. Der ganze komplizierte Quatsch der letzten 30 Jahre: Schwamm drüber. Wird Ihnen da nicht auch wohler? Einfache Botschaft, klarer Weg. So machen wir das.





